35 Jahre Munda – Ein Wochenende an der slowenischen Adria

770 Kilometer. Eine Strecke. Freitagmorgen Franken, Freitagabend slowenische Adriaküste. Als Daniel und Slatko von Munda mich und Sonja eingeladen haben, das 35-jährige Jubiläum seiner Harmonika-Manufaktur in Portorož mitzufeiern, musste ich genau null Sekunden überlegen.

Seit knapp einem Dreivierteljahr verkaufe ich Munda Harmonikas in meinen Läden. Daniel und ich kennen uns schon länger – aber so ein Wochenende zusammen, direkt am Mittelmeer? Das war eine Premiere. Sonja und ich haben eine Kiste fränkisches Bier und ein paar Leckereien aus der Heimat eingepackt. Als kleines Mitbringsel zum Jubiläum. Im Nachhinein glaube ich, dass wir die Einzigen waren, die überhaupt ein Geschenk dabei hatten. Aber so sind wir Franken eben – man kommt halt nicht mit leeren Händen. 😄

Freitagabend: Ankommen, durchatmen, staunen

Wenn du stundenlang durch die Alpen fährst und dann irgendwann merkst, wie sich die Landschaft verändert – wie alles auf einmal südeuropäisch wird, die Vegetation, das Licht, die Luft – dann weißt du: Du bist angekommen. Und dann riechst du das Meer. Und hörst die Möwen. Nach fast 800 Kilometern Autobahn ist das ein ziemlich guter erster Eindruck.

Im Hotel haben wir gleich Daniel getroffen – Handschlag, kurzer Smalltalk, und man merkt sofort: Der Mann freut sich, dass Leute von so weit her angereist sind. Das fränkische Bier hat er aber erst am Samstag bekommen. Die Grußkarte mussten wir nämlich noch schnell am Morgen fertig schreiben – den Text hatten wir zwar schon, aber irgendwie schafft man es ja nie, solche Sachen vorher zu erledigen.

Der Munda Showroom: 35 Jahre Handwerk zum Anfassen

Am Samstag war dann der große Tag. Daniel und sein Team hatten im Hotel LifeClass eine beeindruckende Ausstellung aufgebaut: Verschiedene Munda-Modelle zum Anspielen, Anfassen, Vergleichen. Für mich als Händler ist so etwas Gold wert – jedes Instrument hat seinen eigenen Charakter, seinen eigenen Klang, sein eigenes Feeling. Und genau das spürst du nur, wenn du die Harmonika in die Hand nimmst und spielst. Ich hatte schon im Vorfeld mit Daniel abgesprochen, dass ich ein bestimmtes Instrument für einen Kunden direkt vor Ort mitnehme. Das lief alles reibungslos.

Ebenfalls vor Ort: El-Fisa, ein Hersteller für elektronische MIDI-Harmonikas. Sonja und ich haben die ausgiebig ausprobiert. Spannende Technologie – eine Harmonika ganz ohne Stimmzungen, rein elektronisch, dafür in jeder beliebigen Stimmung spielbar. Ein völlig anderes Spielgefühl als auf einer akustischen Harmonika. Für den einen oder anderen Einsatzzweck sicher interessant, aber für mich persönlich bleibt die echte Harmonika mit ihrem natürlichen Klang einfach unschlagbar.

Slovenski MEH 2026: Slowenien – das unterschätzte Harmonika-Land

Was viele gar nicht wissen: Parallel zum Munda-Jubiläum fand in Portorož der Slovenski MEH 2026 statt – die slowenische Harmonikameisterschaft. Und genau hier wird es richtig interessant. Denn wenn ich mit Harmonika-Begeisterten in Deutschland rede, haben die meisten nur Österreich oder Süddeutschland auf dem Schirm. Slowenien? Kommt bei vielen gar nicht vor.

Dabei hat dieses Land eine unglaublich lebendige Harmonika-Szene. Was mich besonders überrascht hat: Selbst aus Österreich waren kaum Leute da. Dabei waren echte Größen vor Ort – Musiker, die man sonst nur von Social Media oder YouTube kennt. Denis Novato, der übrigens selbst eine Munda spielt und sogar ein eigenes Munda-Modell hat. Klemen Rošer, einer der weltbesten Interpreten auf der Steirischen Harmonika und Europameister. Martin Suschnig, 2-facher Europameister und Leiter seiner eigenen Harmonikaschule in Kärnten. Und das Mißebner Trio um Harmonika-Weltmeisterin Klara Mißebner – die spielen übrigens am 14. November auch bei meinem Stammtisch auf der Enzianhütte in der Rhön.

Zugegeben: Mit den meisten habe ich gar nicht persönlich gesprochen – die Sprachbarriere macht es einem nicht gerade leicht, wenn alle Slowenisch reden. Aber allein diese Musiker live zu erleben und zu sehen, wie groß und lebendig die Harmonika-Szene in Slowenien ist – das war beeindruckend.

100 Harmonikaspieler auf einem Steg – und ich konnte keinen Ton spielen

Und dann kam der Moment, den ich euch einfach erzählen muss. Am Samstagvormittag wurde auf dem Steg in Portorož ein Videodreh organisiert: Ein Harmonika-Orchester, ungefähr 100 Spieler, alle aufgereiht auf diesem Steg direkt am Meer. Ein Lied, das gemeinsam gespielt wurde – wahrscheinlich acht Mal hintereinander, bis die Kameraeinstellungen alle im Kasten waren.

Und ich? Ich stand über eine Stunde lang mittendrin. Mit einer Harmonika, die die falsche Stimmung hatte. Und einem Stück, das ich noch nie in meinem Leben gehört hatte. Ich habe also bei jeder einzelnen Aufnahme brav meine Harmonika gehalten, mitgelächelt – und keinen einzigen Ton gespielt. Manchmal muss man einfach mitmachen und das Beste draus machen. 😅

Das Gala Konzert: Ein festlicher Abend mit Gänsehaut

Am Samstagabend dann das Highlight des Wochenendes: das Gala Konzert im großen Saal des Hotels. Ansambel Banovšek, Denis Novato, das Mißebner Trio und das Peter Prohart Trio haben gespielt. Besonders beeindruckt hat mich die erste Gruppe – Ansambel Banovšek. Aber insgesamt war der ganze Abend auf einem Niveau, das mich wirklich imponiert hat. Zu sehen, wie all diese Musiker gemeinsam auf einer Bühne stehen, zu spüren, wie der ganze Saal mitgeht – das war ein richtig festlicher Abend. Einer, den man so schnell nicht vergisst.

Piran: Calamari, Weißwein und ein Sonnenbrand im März

Zwischen den offiziellen Programmpunkten haben Sonja und ich die slowenische Adriaküste erkundet. Auf Google Maps hatte ich vorher schon diese kleine Hafenstadt entdeckt: Piran. Sah vielversprechend aus – also sind wir einfach losgelaufen. Drei Kilometer vom Hotel, eine Strecke.

Piran ist ein absoluter Knaller. Diese kleinen Gassen, der Hafen, der Tartini-Platz – und dann sind wir bis ganz vorne an die Spitze gelaufen und haben in einer engen Gasse direkt am Wasser ein kleines Restaurant gefunden. Draußen gesessen, Glas Weißwein, Calamari, dazu die Möwen und das Wellenrauschen. 16, 17 Grad, Sonne – wir hatten schon Angst, dass wir einen Sonnenbrand kriegen. Im März.

Und heute? Heute sind wir über die Tauernautobahn nach Hause gefahren. 2 Grad, Schneefall. Gestern Sonnenbrand-Alarm, heute Winterjacke. Das muss man auch erst mal hinkriegen an einem Wochenende.

Warum 1.500 Kilometer sich manchmal lohnen

Ich sage es ganz ehrlich: Als Harmonika-Händler und -Lehrer in Regionen, in denen die Steirische Harmonika noch keine lange Tradition hat, ist es mir wichtig, über den Tellerrand zu schauen. Mich in der internationalen Szene zu zeigen. Zu netzwerken. Und vor allem: den Menschen dort zu zeigen, dass es mich wirklich gibt – dass da ein echter Typ hinter Rhön Harmonika steht, der für dieses Instrument brennt. Auch wenn er keinen Ton auf einem slowenischen Steg spielen kann. 😉

Slowenien hat mich beeindruckt. Die Leidenschaft, die Qualität der Musiker, die Herzlichkeit der Menschen. Und Munda baut Instrumente, die genau das widerspiegeln: Handwerk, Klang und Seele. 35 Jahre – herzlichen Glückwunsch, Slatko. Auf die nächsten 35. 🪗

Du willst eine Munda Harmonika anspielen?

Seit knapp einem Dreivierteljahr bin ich offizieller Munda-Händler. In meinen Harmonika-Läden in Poppenhausen, Trabelsdorf und Creuzburg kannst du verschiedene Munda-Modelle anspielen und dich persönlich beraten lassen. Du nimmst die Harmonika in die Hand, spielst sie an und spürst, ob sie zu dir passt.

Melde dich einfach bei mir für einen Termin – per Telefon, WhatsApp oder über das Kontaktformular auf meiner Website. Ich freue mich auf dich.