Am 11. April 2026 fand auf der Enzianhütte bei Hilders der zweite Stammtisch unserer neuen Stammtisch-Reihe statt – diesmal mit dem Hecki Trio. Und während ich das hier schreibe, habe ich immer noch ein Lächeln im Gesicht. Weil dieser Abend für mich weit mehr war als nur ein gelungenes Event. Er war das Ergebnis von etwas, das ich euch gern erzählen möchte.
Erst mal: Wer bin ich eigentlich?
Falls du hier zum ersten Mal auf meiner Homepage landest – kurz zum Einordnen: Ich bin Adrian, und ich betreibe mit Rhön Harmonika drei Standorte. Den Hauptsitz in Poppenhausen in der Rhön, einen Laden in Trabelsdorf bei Bamberg und einen dritten in Creuzburg in Thüringen. Ich verkaufe Steirische Harmonikas, vermiete sie, unterrichte – und ich organisiere seit vielen Jahren Stammtische, bei denen Menschen zusammenkommen, die diese Leidenschaft teilen.
Die Stammtische finden mittlerweile an zwei unserer drei Standorte statt: auf der Enzianhütte in der Rhön ist der klassische Rhön-Stammtisch zuhause, und bei der Beck-Brauerei in Trabelsdorf treffen wir uns in der Nachbarschaft meines fränkischen Ladens. In Creuzburg steht der eigene Stammtisch noch auf meiner To-do-Liste – kommt aber.
Warum ich überhaupt mit Stammtischen angefangen habe
Der Ursprung ist eigentlich ganz simpel: Ich wollte meinen Schülern einen Raum geben. Einen Ort, an dem sie sich begegnen, austauschen, voneinander lernen. Wo der eine dem anderen zeigt, wie er einen Griff gelöst hat. Wo jemand, der gerade angefangen hat, jemanden trifft, der schon ein paar Jahre spielt – und umgekehrt.
Weil ich selbst weiß, was das bewirkt. Ich habe als Jugendlicher in der Blasmusikbesetzung gespielt, damals als Akkordeonspieler, und später in Bands. Und mir ist eines schon früh klar geworden: Wenn du mit anderen zusammen musizierst, entsteht etwas, das du allein im Übezimmer nie hinkriegst. Da entstehen Freundschaften. Da fahren Leute zusammen in den Urlaub. Da guckst du dir was ab von jemandem, der etwas besser kann als du – und plötzlich entwickelst du dich weiter, ohne dass du es merkst. Gemeinsam zu spielen ist Gold wert für deine musikalische Entwicklung. Genau das wollte ich den Leuten, die bei mir lernen, ermöglichen.
Die Idee, die Stammtische anders zu machen
Jetzt gibt es mittlerweile in verschiedenen Regionen immer mehr Harmonika-Stammtische – auch von anderen kleineren Gruppierungen. Das ist super, freut mich für die Szene. Aber irgendwann habe ich mir gedacht: Ich möchte, dass mein Stammtisch sich auch weiterhin besonders anfühlt. Dass die Leute auch mal zwei, drei Stunden Autofahrt auf sich nehmen – und dann wissen, warum sie gekommen sind.
Daraus ist ein neues Konzept entstanden. Stammtisch plus Mini-Workshop plus Wohnzimmerkonzert. Alles an einem Abend, in einer Location, mit einem Trio, das mitten unter uns spielt. Und weil so etwas mit guten Musikern nur funktioniert, wenn die auch Gage und Fahrtkosten bekommen, kostet der Stammtisch jetzt Eintritt. Ein Novum – und viele in meinem Umfeld haben damals gesagt: „Adrian, das funktioniert nicht. Für einen Musikerstammtisch zahlt doch keiner Eintritt.“ Ich war trotzdem überzeugt, dass es klappt. Weil das, was ich da anbiete, einen echten Mehrwert hat.
Dass der Stammtisch im März mit Jakob Steinkellner gut lief, dass gestern auf der Enzianhütte alle 90 Plätze belegt waren und dass der Termin im November mit dem Mißebner Trio bereits komplett ausverkauft ist – das spricht, denke ich, für sich.
Und was hat die Community damit zu tun?
Jetzt kommt der Teil, warum ich diesen Artikel überhaupt schreibe. Weil der gestrige Abend nämlich keine einsame Schreibtisch-Idee von mir war, sondern aus meiner Skool Community heraus entstanden ist.
Ich habe irgendwann in meiner Skool-Community einen Post abgesetzt mit einer einfachen Frage: Was hört ihr aktuell auf Spotify? Wen findet ihr cool in der Szene? Wer spielt gute Harmonikamusik? Und die Leute haben richtig viel kommentiert. Unter den vielen Vorschlägen tauchte ein Name auf, den ich bis dahin gar nicht kannte: das Hecki Trio.
Ich habe mich durch ihre Musik gehört und war sofort dabei. Und genau in dem Moment, als ich das neue Stammtisch-Konzept im Kopf hatte, ist mir klar geworden: Die passen perfekt. Also habe ich Kontakt aufgenommen.
Das Hecki Trio – Tradition trifft auf junge Energie

Das Hecki Trio besteht aus Andreas Jamnik (diatonische Harmonika, Bassklarinette, Gesang), Johanna Jamnik (Gitarre, Gesang) und Marcel Mölschl (diatonische Harmonika, Bassklarinette, Gesang). Gegründet 2020 – und zwar auf wunderbar absurde Weise: Die drei sind in der Corona-Quarantäne zufällig in einem noch nicht fertig ausgebauten Dachgeschoss gelandet, hatten ein paar Flaschen Heckenklescher dabei und Zeit ohne Ende. Aus diesen spontanen Sessions ist das Trio entstanden. Der Name „Hecki“ kommt vom Heckenklescher. Besser lässt sich eine Bandgründung kaum erzählen.
Musikalisch bewegen sie sich in der alpenländischen Volksmusik, mit Einflüssen aus dem Oberkrainerstil und der Weltmusik. Das Besondere: Andreas und Johanna sind Geschwister – und sie kommen aus der Familie Jamnik, die seit vielen Jahren Harmonikas baut. Harmonikabau Jamnik ist in der Szene ein bekannter Name. Das heißt: Beim Hecki Trio treffen zwei Welten direkt aufeinander. Das handwerkliche Herz des Harmonikabaus und die kreative Lust, mit dem Instrument neue Wege zu gehen.
Als ich das später gecheckt habe, war ich umso begeisterter. Und vor vier Wochen war ich dann sogar eine Woche in Österreich und habe Andreas und Johanna bei sich zu Hause in der Werkstatt besucht. Da das erste Mal persönlich kennengelernt. Von da an war klar: Das wird ein besonderer Abend.
Der Abend auf der Enzianhütte
Halb fünf Einlass. Im Vorfeld hatte ich allen Ticketbesitzern eine E-Mail geschrieben, bitte pünktlich zu kommen und die Harmonikakoffer möglichst im Auto zu lassen, damit wir im Raum genug Platz haben. Daran haben sich wirklich alle gehalten – und dafür an dieser Stelle ein Riesendankeschön an euch. Der Abend war dadurch von Anfang an so entspannt, wie ich mir das nur wünschen konnte.
Von 17 bis 18 Uhr hat das Hecki Trio einen Mini-Workshop gemacht. Worauf kommt es ihrer Meinung nach beim Harmonikaspiel wirklich an – und was ist vielleicht gar nicht so wichtig, wie man denkt? Richtig spannend. Drei junge Musiker, die aus der Praxis erzählen und ehrlich ihre Sicht teilen.
Von 18 bis 21 Uhr lief dann der klassische Stammtisch-Teil. Gegessen, getrunken, miteinander musiziert. Und was mich besonders gefreut hat: Es waren nicht nur Harmonikaspieler da. Akkordeon, Tuba, Bariton – alles mit dabei. Der Raum war voll mit unterschiedlichsten Instrumenten, die zusammen klingen wollten. Genau das, was ich mir unter Gemeinschaft in der Musik vorstelle.
Um 21 Uhr begann dann das Konzert des Trios. Kein Bühnenpodest, keine Distanz – sie haben mitten im Raum gespielt, auf einer Ebene mit dem Publikum. Konzertant, konzentriert, technisch stark und emotional. Wir haben ein wenig überzogen, bis halb elf. Aber keiner wollte aufhören, und schon gar nicht das Trio.
Der Moment, der bleibt
Und dann kam der Moment, der für mich persönlich der schönste des Abends war. Nach dem Konzert habe ich jedem der drei ein Rhön Harmonika T-Shirt überreicht. Und wir haben gemeinsam ein Stück gespielt – den Böhmischen Traum. Ich mittendrin, mit Andreas, Johanna und Marcel. Genau dieses Mit-Musiker-zusammenspielen-die-besser-sind-als-du, von dem ich weiter oben geschrieben habe. In dem Moment wieder erlebt. Gänsehaut.
Und dann draußen vor der Hütte
Als der offizielle Teil vorbei war, sind wir mit einem kleinen Kreis nach draußen gegangen. Haben spontan eine Kiste Bier aus dem Kofferraum geholt, die Instrumente wieder rausgenommen und einfach weitergespielt. Irgendwann sind wir in den Flur der Enzianhütte umgezogen. Und gegen zwei Uhr nachts haben wir dort das letzte Bier ausgetrunken.
Genau das meine ich, wenn ich sage: Musik ist ein Gemeinschaftserlebnis. Das, was nach dem Konzert im Flur passiert ist, kannst du nicht planen. Das passiert, wenn Leute, die das gleiche Feuer haben, zusammenkommen. Und genau deshalb gibt es Rhön Harmonika in der Form, wie es heute existiert.
Was bleibt – und wie es weitergeht
Was bleibt, ist das Gefühl, dass dieses Konzept funktioniert. Und zwar nicht nur, weil der Abend ausverkauft war, sondern weil ich in den Gesichtern der Leute gesehen habe, wie sehr sie das gebraucht haben. Gemeinschaft. Echte Musik. Einen Ort, wo man einfach dazugehört.
Die nächsten beiden Termine stehen: Am 10. Oktober 2026 kommt Thomas Holzer von der Quetschn Academy zu uns nach Trabelsdorf in die Beck-Brauerei. Da gibt es zum Zeitpunkt, an dem ich das schreibe, noch ein paar wenige Karten. Wer sich da schnell ist, hat noch eine Chance. Am 14. November 2026 kommt dann das Mißebner Trio zurück auf die Enzianhütte – der Termin ist bereits ausverkauft.
Und weil ich ehrlich gesagt schon von Anfang an ein gutes Gefühl bei diesem Konzept hatte, plane ich bereits die Termine für 2027. Mit wieder richtig guten Musikern. Das Ganze soll schließlich nicht schlechter werden. 😉
Danke
Danke an Andreas, Johanna und Marcel für diesen Abend. Danke an die Enzianhütte für die Location, in der sich das alles so natürlich anfühlt. Und danke an jeden Einzelnen von euch, der dabei war – oder der über einen Kommentar in der Community vor vielen Monaten überhaupt erst den Anstoß gegeben hat, dass dieses Trio bei uns gespielt hat.
Ohne euch gäbe es das alles nicht.


